

Die leisen Laute eines schläfrigen Babys füllen den Hintergrund, während Eva aus ihrem Zuhause in Paris ihre Familiengeschichte erzählt. Ihr Sohn Ouriel liegt in ihren Armen und ruht. Erst vor acht Wochen haben Eva und ihre Partnerin Laura ihren zweiten Sohn willkommen geheißen. Doch der Weg, eine vierköpfige Familie zu werden, war für das Paar, das sich 2018 kennengelernt hat, nicht immer geradlinig und friedlich. Sie mussten in ein anderes Land gehen, um ihre Familienträume wahr werden zu lassen.
„Von Anfang an wussten wir, dass wir dasselbe wollten, nämlich zwei Kinder. Wir beide wollten schwanger werden“, sagt Eva.
Die Reihenfolge war zwischen den beiden ganz klar. Zuerst sollte Laura schwanger werden und dann würde Eva die zweite Schwangerschaft austragen. Doch bevor sie eine Familie gründeten, wollten sie heiraten. Leider verzögerte COVID-19 ihre Hochzeitspläne, und das gab Laura und Eva Zeit zu recherchieren, wie sie ihre Familienpläne verwirklichen könnten.
Von Anfang an wussten wir, dass wir dasselbe wollten, nämlich zwei Kinder. Wir beide wollten schwanger werden.
Damals war es in Frankreich für Gleichgeschlechtene Paare nicht möglich, eine Kinderwunschbehandlung in Anspruch zu nehmen. Und das Paar kannte niemanden, der den Prozess im Ausland bereits durchlaufen hatte.
„Also waren wir wirklich ratlos“, sagt Eva.
Gleichgeschlechtene Paare und alleinstehende Frauen aus Frankreich gehen normalerweise nach Belgien oder Spanien, wenn sie eine Kinderwunschbehandlung mit Spendersamen benötigen. Für Laura und Eva war es jedoch wichtig, einen ID Release Spender zu finden – und das war in den beiden Ländern nicht möglich.
Diese Tatsache lenkte ihre Aufmerksamkeit auf Deutschland, die Niederlande und Dänemark, wo eine Kinderwunschbehandlung mit ID Release Spendern möglich war. Weil sie Berlin lieben und eine besondere Verbindung zu der Stadt haben, entschied sich das Paar, in Deutschland eine Klinik für die Behandlung zu finden.
Der nächste Schritt auf der Reise von Laura und Eva war, einen Spender zu finden. Durch einen französischen Podcast namens Bliss stories erfuhren sie von Frauen, die eine dänische Samenbank genutzt hatten.
„Die Frauen in dem Podcast sprachen über persönliche Notizen von Spendern, in denen sie erklärten, warum sie Samenspender werden wollten. Das hat wirklich unsere Aufmerksamkeit erregt.“
Dem Paar gefiel, dass sie den Spender durch eine persönliche Notiz und eine Audioaufnahme kennenlernen konnten. Das war wichtiger als das Aussehen. Das einzige körperliche Merkmal, das zählte, war, einen Spender mit entweder grünen oder blauen Augen zu finden, passend zu den Augenfarben des Paares.
Lesen Sie unseren Leitfaden, wie man einen Samenspender auswählt
Laura und Eva begannen in der letzten Phase ihrer Flitterwochen mit der Suche nach einem Spender. Sie wussten, dass sie für beide Kinder den gleichen Spender wollten, also suchten sie nach einem Spender, der in Deutschland verfügbar war und genügend Halme für ihre zukünftige Familie hatte. Sie schränkten ihre Suche auf zwei sehr unterschiedliche Spender ein.
„Wir haben denjenigen gewählt, bei dem wir das Gefühl hatten, dass wir mit ihm befreundet sein könnten“, sagt Eva.
Wir dachten, wenn wir alles erledigen könnten, bevor wir ein Kind bekamen, würde das die ganze Logistik viel einfacher machen.
Als das Paar aus den Flitterwochen zurückkam, begannen sie, ihre Pläne zur Familiengründung umzusetzen. Laura begann eine IVF-Behandlung und wurde gleich beim ersten Versuch schwanger. Sobald die Schwangerschaft bestätigt war, durchlief Eva den ersten Teil der IVF, wodurch Embryonen entstanden, die eingefroren und für ihre spätere Schwangerschaft vorbereitet wurden. All dies geschah vor der Geburt ihres ersten Sohnes Ben.
"Wir dachten, wenn wir alles vor der Geburt eines Kindes erledigen könnten, würde das die gesamte Logistik viel einfacher machen".
Als Ben ein Jahr und ein paar Monate alt war, beschloss die Familie, den Prozess erneut zu starten, damit Eva schwanger werden konnte. Doch diesmal lief es nicht so einfach, und das Paar befürchtete, dass ihnen die Halme ausgehen würden, da der Spender nicht verfügbar war, als das Paar weitere Halme bestellen wollte.
"Wir waren ziemlich gestresst wegen fehlender Halme, was den Prozess komplizierter machen würde, aber die Unterstützung durch die European Sperm Bank war großartig".
Das Paar kontaktierte die European Sperm Bank, und glücklicherweise war es möglich, zusätzliche Halme von ihrem Spender zu bekommen, sodass sie die Behandlung fortsetzen konnten. Nach ein paar weiteren IVF-Zyklen wurde Eva schwanger.
Der Traum, eine vierköpfige Familie zu werden, ist jetzt Wirklichkeit, und der Weg dorthin liegt nun ein Stück hinter ihnen. Rückblickend bringt der Prozess, sich im Ausland behandeln zu lassen, verschiedene Hürden mit sich, erklären die beiden:
„Man muss sehr flexibel reagieren. Wenn der Zyklus beginnt, muss man einen Termin beim Arzt vereinbaren, dann einen Flug buchen und reisen. All diese Logistik, zu versuchen, sein Leben weiterzuführen, als ob nichts los wäre - obwohl in Wirklichkeit sehr viel los ist - kann schwierig sein.“
Das Paar wusste, dass eine Kinderwunschbehandlung viel Energie kostet. Die ständige Ungewissheit, ob es klappt oder nicht, kann erschöpfend sein. Deshalb haben sie einige Ratschläge für andere, die mit Hilfe eines Samenspenders eine Familie gründen möchten:
„Ich habe in einem Podcast gehört, dass jemand den Leuten riet, jedes Mal 100 % zu geben. Und ich finde, das ist sehr wichtig. Denken Sie immer weiter: Dieses Mal wird es klappen“, resümiert Eva, während sie Ouriel kuschelt.
Heute genießen Laura und Eva als vierköpfige Familie in Paris ihr Leben mit ihren zwei Söhnen: Ben, der jetzt 2,5 Jahre alt ist, und der acht Wochen alte Ouriel. Ihr Weg war nicht geradlinig, aber er hat sich gelohnt – heute haben sie die Familie, von der sie immer geträumt haben.