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Stolzer Samenspender: Für mich geht es darum, anderen zu helfen.

Nur rund 7 Prozent der Männer, die Samenspender werden möchten, schlüpfen durchs Nadelöhr. Der 22-jährige Peter gehört zu ihnen. Er spricht über seine Sichtweise in Bezug auf die Samenspende: Wie regierte seine Familie, warum ist er kein anonymer Spender und was tut man, wenn man seine Entscheidung bereut?

April 12, 2021
4 Min. Lesedauer
Helle Tyllesen

Warum bist Du Samenspender geworden?

„Als ich 8 Jahre alt war, hatte mein Vater lesbische Bekannte. Sie bekamen mehrere Kinder mit einem Mann, den sie nicht kannten. Ich war ein wenig verwundert, da ich damals zum ersten Mal von Regenbogenfamilien hörte.

Später kam mein Vater mit einer Frau zusammen, die zwei Söhne hatte. Als diese und ich Teenager waren, erfuhren wir plötzlich an einem Sonntagvormittag, dass der Vater der Kinder dieser Frau nicht ihr biologischer Vater war. ‚Machst du Witze? Warum ähneln sie dann ihrem Vater so sehr?‘, fragte ich damals. Aber das Beeindruckendste war die gelassene Reaktion der Söhne der Frau: ‚Und? Mein Vater ist und bleibt unser Vater.‘

Ich erinnere mich, dass mich das wirklich inspiriert hat. Dass man als Samenspender vielen verschiedenen Familien helfen kann. Bereits als 15-Jähriger beschloss ich: Wenn ich erwachsen bin, werde ich auch Samenspender, wenn ich zugelassen werde.“

Was musstest Du dafür tun, damit Du als Samenspender zugelassen wurdest?

„Ich musste zwei Samenproben bei der European Sperm Bank abliefern. Die Qualität meiner Spermien war glücklicherweise gut. Ich wurde anschließend von einem Arzt auf meine Gesundheit hin untersucht, welcher außerdem sicherstellte, dass ich für meine bewusste Entscheidung alle wichtigen Informationen hatte. Ich hatte den Eindruck, dass er sichergehen wollte, dass ich reif genug war für diesen Schritt. Danach wurde ich zu einem Gespräch eingeladen. Während des gesamten Prozesses kamen mir niemals Zweifel an meiner Entscheidung. Ich spendete mit 20 Jahren zum ersten Mal.“

So sehen unsere Spendenräume aus.

Wie war es, das erste Mal Samen zu spenden?

„Es war mir wirklich peinlich. Ich hatte mir einen schmuddeligen, dunklen Raum vorgestellt. Stattdessen kam ich in diesen sauberen, etwas klinisch anmutenden Raum, in den durch alle Fenster Licht strömt. Ich habe mich aber schnell an diese Umgebung gewöhnt. Heute ist es mir nicht mehr unangenehm. Es ist für mich zur Routine geworden. Ca. einmal wöchentlich spende ich. Vom Betreten des Gebäudes bis zum Verlassen vergehen ungefähr 15 Minuten.“

Wer weiß, dass Du Samenspender bist, und wie haben diese Leute reagiert?

„Die gesamte Familie und einige Freunde. Für mich war klar, dass ich mich nicht für meine Entscheidung schämen musste. Mein Vater war ganz auf meiner Seite, aber verlangte, dass ich mir alles wirklich gut überlege. Und das tat ich natürlich. Als ich meine Gründe für die Entscheidung erklärte, wurde diese schnell akzeptiert.

Für mich steht fest, dass ich mich überhaupt nicht dafür schämen muss, Samenspender zu sein.

Das gängigste Vorurteil ist, dass ich es nur wegen des Geldes mache. Aber ich habe einen Vollzeitjob und benötige das Geld gar nicht. Und natürlich geht es auch nur den Samenspender etwas an, auch wenn das Geld der Hauptgrund für die Spende ist. Das ändert ja nichts daran, dass sie anderen Menschen dabei helfen, dass ihr größter Traum in Erfüllung geht.”

Hatte Deine Familie Zweifel?  

„Nur meine damalige Freundin hatte Zweifel. Sie hatte das Gefühl, mich nun mit anderen teilen zu müssen. Aber ich erklärte ihr meine Gründe und überzeugte sie: ‚Ich MÖCHTE Samenspender werden. Es geht um etwas Größeres als dich und mich. Es ist für andere Menschen einfach unglaublich wichtig. Spenderkinder sind Kinder der Liebe, und wenn ich dabei helfen kann, verschiedene Arten an Familien zu formen, dann kann ich etwas bewirken, worauf ich unglaublich stolz bin.‘“

Für mich als Samenspender ist ausschlaggebend, anderen zu helfen. Und ich bin überzeugt, dass ich den Rest meines Lebens dieses Anliegen haben werde.

Als Samenspender wird man dazu aufgefordert, einen persönlichen, handgeschriebenen Gruß zu verfassen, welchen das Spenderkind lesen kann. Wie bist Du an diese Aufgabe herangegangen?

„Darauf war ich nicht vorbereitet, und es war wirklich emotional für mich. So viel von mir gegenüber meinem Spenderkind preiszugeben, noch zusätzlich zu den vielen anderen eher unpersönlichen Fakten über mich. Ich habe lange darüber nachgedacht, wie sich mein Spenderkind wohl in vielen Jahren fühlen wird. Wird der Gruß vielleicht wehmütig gelesen und es möchte mehr erfahren?

Irgendwann möchte ich meinen persönlichen Gruß noch umschreiben und einen Rat hinzufügen: Die eigenen Interessen nicht hintenanzustellen sondern auch an sich selbst zu denken. Glücklich sein. Und auf sich selbst achtzugeben.“

Warum hast Du dich entschieden, als Samenspender nicht anonym zu sein?

„Natürlich hatte die Tatsache, dass ich meine Mutter nicht so gut kannte, Einfluss auf meine Entscheidung. Ich frage mich, wie viel meiner Persönlichkeit vererbt und wie viel auf Kultur und Sozialisierung zurückzuführen ist. Daher kann ich wirklich verstehen, dass ein Spenderkind vermutlich viele Fragen hat. Und diese möchte ich gerne beantworten. Daher gab es für mich keinen Zweifel: Ich wollte als Spender nicht anonym sein. Mir war völlig klar, dass ich dann in Zukunft vermutlich kontaktiert werde – und vielleicht einige Antworten auf diverse Fragen geben muss. Gleichzeitig ist mir aber auch bewusst, dass es nicht meine Kinder sind. Ich bin nicht ihr Vater.“

Hast Du Angst, in Zukunft Deine Einstellung zur Spende zu bereuen?

„Ich bin überzeugt, dass feste Werte stärker sind als Haltungen, die man öfter mal ändert. Für mich als Samenspender ist ausschlaggebend, anderen zu helfen. Ich bin überzeugt, dass ich dieses Anliegen den Rest meines Lebens haben werde. Und sollte sich das eines Tages wider Erwarten ändern, muss ich mich selbst daran erinnern, dass ich stets die besten Absichten hatte. Es geht immer darum, zu seinen Entscheidungen zu stehen.”

Was kannst Du Männern raten, die überlegen, Samenspender zu werden?

„Es ist wirklich eine ganz persönliche Entscheidung. Wenn man unsicher ist, sollte man warten.”

Peter ist ein Deckname – European Sperm Bank kennt aber die Identität von Peter.