Oligozoospermie (niedrige Spermienzahl)

Oligozoospermie bezeichnet eine niedrige Spermienzahl. Von einer niedrigen Spermienzahl spricht man, wenn sich weniger als 15 Millionen Spermien pro Milliliter Ejakulat (Sperma/Samenflüssigkeit) befinden. Eine niedrige Spermienzahl kann eine Empfängnis erschweren, da sie die Wahrscheinlichkeit verringert, dass eine gesunde Samenzelle die Eizelle erreicht und befruchtet. In diesem Leitfaden erfahren Sie, was Oligozoospermie ist, wie sie die männliche Fruchtbarkeit beeinflusst und welche Behandlungen zur Verfügung stehen.
Samenspender
Anne Christensen
27. Mai 2026
10 Min. Lesezeit
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Was ist eine niedrige Spermienzahl?

Eine niedrige Spermienzahl, medizinisch Oligozoospermie genannt, bedeutet, dass weniger als 15 Millionen Samenzellen pro Milliliter Sperma vorhanden sind. Die Spermienzahl bezieht sich auf die Anzahl der Samenzellen in jedem ml Sperma und ist ein wichtiger Indikator für Samenqualität und Gesundheit.

Was sind die Symptome einer niedrigen Spermienzahl?

Die meisten Männer mit einer niedrigen Spermienzahl haben keine Symptome und erfahren erst davon, wenn es Schwierigkeiten gibt, schwanger zu werden, und sie eine Samenprobe für eine Samenanalyse abgeben. Es gibt jedoch einige indirekte Anzeichen, auf die Sie achten können. Dazu gehören:

  • Schwierigkeiten, schwanger zu werden – die Unfähigkeit, trotz regelmäßigen ungeschützten Geschlechtsverkehrs schwanger zu werden.
  • Erektile Dysfunktion – Probleme, eine Erektion zu bekommen oder aufrechtzuerhalten.
  • Niedrige Libido – vermindertes sexuelles Verlangen.
  • Hodenprobleme – Beschwerden, Schwellungen oder Veränderungen im Gefühl der Hoden.
  • Hormonelle Anzeichen – weniger Körper- oder Gesichtsbehaarung.

Gibt es sichtbare Anzeichen einer niedrigen Spermienzahl?

Nein, allein am Aussehen lässt sich nicht erkennen, ob Sie eine niedrige Spermienzahl haben. Veränderungen der Farbe oder Konsistenz des Spermas können auf Probleme hinweisen, die von medizinischem Fachpersonal abgeklärt werden sollten, sind aber kein eindeutiger Hinweis auf eine niedrige Spermienzahl. Die einzige Möglichkeit, mit Sicherheit festzustellen, ob Sie eine niedrige Spermienzahl haben, ist eine Samenanalyse. 

Wann könnten Sie vermuten, dass Sie eine niedrige Spermienzahl haben?

Sie könnten vermuten, dass Sie eine niedrige Spermienzahl haben, wenn es trotz regelmäßigen ungeschützten Geschlechtsverkehrs über einen längeren Zeitraum nicht zu einer Schwangerschaft kommt. Wenn Sie und Ihre Partnerin oder Ihr Partner unter 35 Jahre alt sind, sollten Sie nach 12 Monaten mit Kinderwunsch eine medizinische Fachperson aufsuchen. Wenn Sie und Ihre Partnerin oder Ihr Partner über 35 sind, sollten Sie nach sechs Monaten mit Kinderwunsch eine medizinische Fachperson aufsuchen. 

Sie sollten auch erwägen, medizinischen Rat einzuholen, wenn bei Ihnen indirekte Symptome auftreten, die mit einer niedrigen Spermienzahl in Zusammenhang stehen, wie zum Beispiel:

  • Schwierigkeiten, schwanger zu werden
  • Erektile Dysfunktion 
  • Niedrige Libido
  • Hodenprobleme
  • Hormonelle Anzeichen.

Was verursacht eine niedrige Spermienzahl?

Eine niedrige Spermienzahl kann durch medizinische, lebensstilbedingte und umweltbedingte Faktoren verursacht werden. Zu den medizinischen Ursachen gehören Infektionen, hormonelle Ungleichgewichte, genetische Erkrankungen und Blockaden in den männlichen Fortpflanzungsgängen. Die lebensstilbedingten und umweltbedingten Faktoren umfassen die Ernährung, Alkoholkonsum, Rauchen sowie Belastungen durch Stress, Schadstoffe und Hitze.

Medizinische Ursachen

Die medizinischen Ursachen einer niedrigen Spermienzahl sind:

  • Varikozele – eine Erkrankung, bei der geschwollene Venen im Hodensack die Hoden erwärmen und die Spermienproduktion beeinträchtigen.
  • Infektionen – Infektionen wie Chlamydien, Gonorrhö und Prostatitis können das Hodengewebe schädigen und die Spermienproduktion beeinträchtigen. 
  • Hormonelle Ungleichgewichte – Probleme mit der Hypophyse oder dem Hypothalamus können zu niedrigen Testosteronspiegeln führen, wodurch weniger Spermien produziert werden.
  • Genetische Erkrankungen – Erkrankungen wie das Klinefelter-Syndrom und Mukoviszidose können eine abnormale Spermienproduktion verursachen.

Strukturelle Ursachen (Blockaden)

Eine niedrige Spermienzahl kann auch durch Verstopfungen in den Fortpflanzungsgängen verursacht werden, die Spermien speichern und transportieren. Blockaden behindern die Spermien und verhindern, dass sie sich mit der Samenflüssigkeit vermischen, wodurch die Spermienzahl sinkt. Sie treten meist in drei Hauptbereichen auf:

  • Nebenhoden – verantwortlich für die Speicherung und den Transport von Spermien.
  • Samenleiter – befördert Spermien während der Ejakulation durch Muskelkontraktionen.
  • Ejakulationsgang – verbindet Spermien mit Samenflüssigkeit.

Verstopfungen können durch Entzündungen, Narbenbildung oder Infektionen verursacht werden und sind oft behandelbar.

Lebensstilbedingte und umweltbedingte Faktoren

Lebensstilbedingte und umweltbedingte Faktoren können die Spermienproduktion beeinträchtigen und die Spermienzahl verringern. Wichtige Faktoren des Lebensstils sind:

  • Rauchen kann oxidativen Stress in spermienproduzierenden Zellen verursachen und die Spermienzahl verringern. 
  • Alkoholkonsum kann den Testosteronspiegel beeinflussen und die Spermienproduktion negativ beeinträchtigen.
  • Übermäßiges Körperfett kann den Testosteronspiegel senken und die Hodentemperatur erhöhen, was die Spermienzahl verringert.
  • Hoher Stresspegel kann die Ausschüttung von Cortisol auslösen, was Testosteron und Spermienproduktion unterdrückt.
  • Hitzeeinwirkung kann die Spermienproduktion verringern, da die Hoden bei etwa 33°C bis 35°C am besten funktionieren.
  • Die Belastung durch Giftstoffe wie Pestizide und Schwermetalle kann Hormone stören, oxidativen Stress verursachen und Hodenzellen schädigen, wodurch die Spermienzahl sinkt.

Wie wird eine niedrige Spermienzahl diagnostiziert?

Eine niedrige Spermienzahl wird mit einer Samenanalyse diagnostiziert, einem Fruchtbarkeitstest für Männer, der die allgemeine Gesundheit Ihres Samens beurteilt. Dabei werden Spermienzahl, Morphologie, Beweglichkeit (Motilität) und Spermavolumen gemessen. In einigen Fällen kann eine zweite Analyse erforderlich sein, um die Ergebnisse zu bestätigen.

Arten und Schweregrad einer niedrigen Spermienzahl

Die Spermienzahl wird auf einer Skala bewertet, und eine Oligozoospermie kann leicht, mittelschwer oder schwer ausgeprägt sein. Der Schweregrad der Oligozoospermie hat wichtige Auswirkungen auf die männliche Fruchtbarkeit. So gilt beispielsweise eine Konzentration von 14,5 Millionen Samenzellen pro mL als niedrige Spermienzahl, dennoch sind die Chancen auf eine Empfängnis durch Geschlechtsverkehr ähnlich wie bei jemandem mit einer „gesunden“ Spermienzahl von 15 Millionen Samenzellen pro mL. Je schwerer die Oligozoospermie ist, desto schwieriger wird eine Empfängnis durch Geschlechtsverkehr.

Was ist Azoospermie (Spermienzahl von null)?

Azoospermie ist das vollständige Fehlen von Spermien im Ejakulat. Dies wird manchmal als eine Spermienzahl von Null bezeichnet. Etwa 1 % aller Männer und 10 % der Männer mit Fruchtbarkeitsproblemen haben Azoospermie. Sie gilt als eine andere Erkrankung als Oligozoospermie, mit eigenen Ursachen und Behandlungen. Ähnlich wie bei Oligozoospermie haben Männer mit Azoospermie oft keine auffälligen Symptome. 

Niedrige Spermienmotilität und abnorme Spermien

Die Spermienzahl ist nicht der einzige Faktor für die männliche Fruchtbarkeit und die Samenqualität. Männer können eine gesunde Spermienzahl haben und dennoch Schwierigkeiten bei der Empfängnis haben, weil die Spermienmotilität niedrig ist, die Spermienmorphologie auffällig ist oder eine große Zahl abgestorbener Samenzellen vorliegt.

Niedrige Spermienmotilität 

Spermien müssen sich in einer relativ geraden Linie mit mehr als 25 Mikrometern pro Sekunde bewegen, damit sie eine gute Chance haben, eine Eizelle zu erreichen und zu befruchten. Spermien, die diese Bedingungen erfüllen, sind progressiv motil. In gesundem Ejakulat sind mindestens 32 % der Samenzellen progressiv motil.

Auffällige Spermienmorphologie

Spermien mit gespaltenen oder gekrümmten Schwänzen, missgebildeten oder doppelten Köpfen oder deformierten Mittelstücken erreichen eine Eizelle mit geringerer Wahrscheinlichkeit und befruchten sie seltener. Eine auffällige Morphologie kann zu Fruchtbarkeitsproblemen führen. Jedes Ejakulat enthält eine große Anzahl morphologisch fehlerhafter Spermien, und es genügt, wenn nur 4 % aller Spermien „normal“ geformt sind, damit Ihr Ejakulat als gesund gilt. 

Abgestorbene Samenzellen

Eine große Anzahl abgestorbener Spermien in Ihrem Ejakulat wird als Nekrozoospermie bezeichnet und kann Ihre Chancen auf eine Empfängnis durch Geschlechtsverkehr deutlich verringern. Es handelt sich um eine relativ seltene Erkrankung, und viele Fälle können behandelt werden.

Wenn es Schwierigkeiten bei der Empfängnis gibt, ist es wichtig zu verstehen, was Ihre Fruchtbarkeitsprobleme verursacht, damit Sie eine passende Behandlung in Anspruch nehmen können. Eine Samenanalyse identifiziert das oder die Hauptprobleme und ist ein sinnvoller und wirksamer nächster Schritt für jeden Mann, der sich Sorgen um seine Fruchtbarkeit macht.

Kann man mit einer niedrigen Spermienzahl schwanger werden?

Ja, Sie können auch mit einer niedrigen Spermienzahl durch Geschlechtsverkehr schwanger werden, aber das hängt vom Schweregrad Ihrer Oligozoospermie ab. In leichten Fällen von Oligozoospermie kann es länger dauern als erwartet, bis eine Empfängnis eintritt, und möglicherweise müssen Sie Ihren Lebensstil anpassen. In schwereren Fällen kann eine Kinderwunschbehandlung erforderlich sein, um eine Schwangerschaft zu ermöglichen. Selbst wenn eine Empfängnis durch Geschlechtsverkehr nicht möglich ist, gibt es mehrere Optionen für Eltern, die sich ein Kind wünschen.

Behandlung bei niedriger Spermienzahl

Die Behandlung einer niedrigen Spermienzahl hängt von der Ursache und dem Schweregrad der Oligozoospermie ab. Die Erhöhung der Spermienzahl kann Änderungen des Lebensstils und medizinische Behandlungen umfassen. Abhängig von den Ergebnissen sollten Sie möglicherweise eine Kinderwunschbehandlung als Möglichkeit in Betracht ziehen, um eine Schwangerschaft zu erreichen.

Wann Ärzte oder KinderwunschexpertInnen (FruchtbarkeitsspezialistInnen) zu Rate gezogen werden sollten

Sie sollten unter folgenden Umständen ärztliche Unterstützung oder die Hilfe von einem/einer KinderwunschexpertIn in Anspruch nehmen:

  • Die Person, die schwanger werden möchte, ist unter 35 Jahre alt und trotz regelmäßigen ungeschützten Geschlechtsverkehrs ist seit 12 Monaten keine Empfängnis eingetreten.
  • Die Person, die schwanger werden möchte, ist 35 Jahre oder älter und trotz regelmäßigen ungeschützten Geschlechtsverkehrs ist seit sechs Monaten keine Empfängnis eingetreten.
  • Sie haben eine erektile Dysfunktion und Schwierigkeiten, eine Erektion zu bekommen oder aufrechtzuerhalten.
  • Sie machen sich Sorgen wegen anderer Erkrankungen oder Behandlungen, die sich auf Ihre Fruchtbarkeit auswirken könnten, z. B. wenn Sie sich mit einer sexuell übertragbaren Infektion (STI) infiziert haben oder eine Krebsbehandlung durchlaufen haben.
  • Sie haben eine chronische Erkrankung, die potenziell beeinträchtigend auf Ihre Fruchtbarkeit wirkt, wie Diabetes, Herzerkrankungen oder Erbkrankheiten.
  • Sie machen sich Sorgen um Ihre Fruchtbarkeit.

Wenn Sie wegen Ihrer Fruchtbarkeit zum ersten Mal medizinischen Rat einholen, wird in der Regel eine Samenanalyse empfohlen.

Häufige Fragen zur Spermiengesundheit

Kann Männern der Samen ausgehen?

Männern kann der Samen nicht ausgehen, da die Hoden ständig neue Samenzellen produzieren. Allerdings können Alter, Lebensstilfaktoren, medizinische und genetische Erkrankungen sowie häufige Masturbation die Anzahl der Spermien im Ejakulat verringern.

Woher weiß ich, ob mein Samen gesund ist? 

Eine Samenanalyse ist die einzige Möglichkeit festzustellen, ob Ihr Samen gesund ist und alle Parameter für Spermienzahl, Motilität, Morphologie und Samenvolumen erfüllt. Manche Auffälligkeiten der Spermien führen zu klaren Symptomen, viele jedoch nicht, und eine Samenanalyse ist unerlässlich.

Bedeuten „faule Spermien“ dasselbe wie eine niedrige Spermienzahl? 

Nein, „faule Spermien“ sind nicht dasselbe wie eine niedrige Spermienzahl. Der Ausdruck „faule Spermien“ ist ein umgangssprachlicher Begriff für eine niedrige Spermienmotilität oder Asthenozoospermie. Von einer niedrigen Spermienmotilität spricht man, wenn weniger als 32 % der Spermien progressiv motil sind und die Probe eine Gesamtmotilität von unter 40 % aufweist.

Kann man ohne Test feststellen, ob der eigene Samen gesund ist?

Sie können feststellen, ob Ihre Spermien gesund sind, wenn eine Empfängnis erfolgreich eintritt oder wenn Sie eine Probe für eine Samenanalyse abgeben. Wenn Sie Schwierigkeiten haben, schwanger zu werden, ist eine Samenanalyse der schnellste, genaueste und wirksamste Weg, die Samenqualität zu beurteilen.

Spermiogramm

Erfahren Sie in unserem Leitfaden mehr über das Spermiogramm und darüber, was es über die Spermienqualität aussagt.