Azoospermie: Ursachen, Behandlung und Kinderwunsch

Bei Azoospermie sind im Ejakulat keine Spermien nachweisbar. Eine Schwangerschaft kann je nach Ursache und Behandlungsoption dennoch möglich sein. Dieser Leitfaden erklärt, was Azoospermie ist, wie sie die männliche Fruchtbarkeit beeinflusst und welche Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten es gibt.
Samenspender
Anne Christensen
27. Mai 2026
12 Min. Lesezeit
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Was ist Azoospermie?

Azoospermie ist das vollständige Fehlen von Spermien im Ejakulat. Bei Männern mit Azoospermie spricht man von einer Spermienzahl von Null. Azoospermie ist eine medizinische Erkrankung, die etwa 1 % aller Männer und 10 % der unfruchtbaren Männer betrifft. Männer mit Azoospermie können häufig weiterhin Ejakulat bilden.

Welche Arten von Azoospermie gibt es?

Die zwei Hauptarten der Azoospermie sind obstruktive Azoospermie und nicht-obstruktive Azoospermie. Sie haben unterschiedliche Ursachen, Befunde und Aussichten.

Obstruktive Azoospermie (OA)

Die Hoden produzieren Spermien, aber eine Blockade verhindert, dass diese in die Samenflüssigkeit gelangen. 

Ursache

Die Blockade kann durch eine Vasektomie, eine Infektion, das angeborene beidseitige Fehlen der Samenleiter (CBAVD) oder Probleme mit den Samenwegen entstehen, die für den Transport von Spermien verantwortlich sind.

Ergebnis

Gesunde Spermien werden produziert, können aber nicht in das Ejakulat gelangen. Die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung sind gut.

Behandlung

Zu den Behandlungen gehören die chirurgische Korrektur und die Spermiengewinnung für eine Kinderwunschbehandlung mittels In-vitro-Fertilisation (IVF). 

Nicht-obstruktive Azoospermie (NOA)

Eine Hodenfunktionsstörung bedeutet, dass die Spermienproduktion eingeschränkt oder gestört ist.

Ursache

Nicht-obstruktive Azoospermie kann durch Erbkrankheiten (z. B. Klinefelter-Syndrom), hormonelle Ungleichgewichte, Hodenverletzungen, schwere Infektionen oder Strahlenbelastung (z. B. durch Chemotherapie) verursacht werden. 

Ergebnis

Die Hoden produzieren keine gesunden Spermien, wodurch die Behandlung komplexer wird. Es kann dennoch möglich sein, mit Ihren eigenen Spermien ein Kind zu zeugen, auch wenn die Wahrscheinlichkeit geringer ist als bei OA.

Behandlung

Zu den Behandlungen gehören Hormontherapien und die Spermiengewinnung zur Verwendung bei IVF-Kinderwunschbehandlungen.

Was verursacht Azoospermie?

Azoospermie wird entweder durch eine Blockade verursacht, die den Transport von Spermien verhindert, oder durch ein Problem bei der Spermienproduktion in den Hoden. 

Ursachen der obstruktiven Azoospermie (Blockade)

Obstruktive Azoospermie tritt auf, wenn die Hoden lebensfähige Spermien produzieren, eine Blockade jedoch verhindert, dass diese in das Ejakulat gelangen und ejakuliert werden. Obstruktive Azoospermie kann verursacht werden durch:

  • Eine Vasektomie – ein chirurgischer Eingriff, bei dem die Samenleiter durchtrennt oder verschlossen werden, sodass keine Spermien in das Ejakulat gelangen. 
  • Infektion – Infektionen wie Chlamydien und Tuberkulose können Narben und Entzündungen verursachen, die Fortpflanzungswege blockieren. 
  • Angeborenes beidseitiges Fehlen der Samenleiter (CBAVD) – die Samenleiter transportieren Spermien zur Harnröhre. Einige genetische Erkrankungen können dazu führen, dass Männer ohne Samenleiter geboren werden.
  • Blockaden in den Fortpflanzungswegen – eine Blockade in einem der Samenwege, die für die Speicherung oder den Transport von Spermien verantwortlich sind. 

Blockaden finden sich in drei Hauptbereichen der männlichen Geschlechtsorgane:

  1. Nebenhoden – verantwortlich für die Speicherung und den Transport von Spermien.
  2. Samenleiter – befördert Spermien während der Ejakulation durch Muskelkontraktionen.
  3. Ejakulationsgang – verbindet Spermien mit der Samenflüssigkeit.

Ursachen der nicht-obstruktiven Azoospermie (Produktionsstörung)

Nicht-obstruktive Azoospermie tritt auf, wenn die Hoden keine oder nur sehr wenige Spermien produzieren. Es handelt sich um ein Problem der Hoden und nicht der Samenwege, die für den Transport von Spermien verantwortlich sind. Sie kann verursacht werden durch:

  • Erbkrankheiten – einige Erbkrankheiten, wie das Klinefelter-Syndrom und Chromosomenanomalien, beeinträchtigen die Spermienproduktion und führen zu Azoospermie.
  • Hormonelle Ungleichgewichte – niedrige Testosteronwerte und Probleme mit der Hypophyse können den Hormonhaushalt stören und die Spermienproduktion verringern.
  • Hodenverletzungen – eine verminderte Durchblutung infolge eines Hodentraumas kann die spermienbildenden Zellen schädigen. 
  • Schwere Infektionen – Infektionen, die das Hodengewebe schädigen, können die Spermienproduktion beeinträchtigen.
  • Strahlenbelastung – Strahlung kann die spermienbildenden Zellen in den Hoden schädigen. Nicht-obstruktive Azoospermie kann eine vorübergehende oder dauerhafte Nebenwirkung einer Chemotherapie sein.

Symptome der Azoospermie

Die meisten Menschen mit Azoospermie haben keine auffälligen Symptome. Möglicherweise bemerken Sie die Erkrankung erst, wenn es trotz Kinderwunsch nicht zu einer Schwangerschaft kommt und Sie eine Kinderwunsch-Spezialistin oder einen Kinderwunsch-Spezialisten aufsuchen. Andere können eines oder mehrere der folgenden Symptome haben:

  • Sexuelle Funktionsstörungen – Probleme, eine Erektion zu bekommen oder aufrechtzuerhalten, sowie eine geringe Libido.
  • Anomalien der Hoden – Veränderungen in Größe oder Beschaffenheit der Hoden. Kleine oder geschwollene Hoden können auf ein Problem hinweisen, ebenso wie harte, druckempfindliche oder besonders schmerzhafte Hoden. Wenden Sie sich an medizinisches Fachpersonal, wenn Sie Veränderungen an Ihren Hoden bemerken.
  • Hormonelle Anzeichen – Anzeichen, die mit einem hormonellen Ungleichgewicht zusammenhängen, sind unter anderem eine deutliche Verringerung der Gesichts- oder Körperbehaarung sowie vergrößerte, druckempfindliche oder geschwollene Brüste.
  • Geringes Sperma-Volumen – kleine Mengen an Sperma beim Samenerguss oder eine „trockene Ejakulation“ können auf Azoospermie hinweisen.

Wie wird Azoospermie diagnostiziert?

Die Diagnose einer Azoospermie beginnt mit einer Spermaanalyse. Die Spermaanalyse ist ein Fruchtbarkeitstest für Männer, der mehrere Parameter der Spermiengesundheit bewertet, darunter Spermienzahl, Spermienmotilität, Morphologie und Ejakulatvolumen. Die Spermaanalyse zeigt Ihnen Ihre Spermienzahl und weist darauf hin, ob bei Ihnen Azoospermie vorliegt. Die meisten Kinderwunsch-Spezialistinnen und -Spezialisten fordern zwei zu unterschiedlichen Zeitpunkten gewonnene Proben an, um natürliche Schwankungen und Ausreißer zu berücksichtigen. 

Nach der ersten Spermaanalyse wird Ihr/e Kinderwunsch-SpezialistIn versuchen, die Ursache Ihrer Azoospermie festzustellen und zu klären, ob bei Ihnen eine obstruktive oder eine nicht-obstruktive Azoospermie vorliegt. Dabei können die folgenden diagnostischen Instrumente und Methoden eingesetzt werden.

  • Körperliche Untersuchung – medizinisches Fachpersonal kann Ihre Hoden auf Anzeichen von Schwellung, Verhärtung oder Druckempfindlichkeit untersuchen. 
  • Hormontest – ein Bluttest zur Messung von Testosteron, LH (luteinisierendes Hormon) und FSH (follikelstimulierendes Hormon) sowie zur Prüfung auf Ungleichgewichte.
  • Genetische Untersuchung – es wird eine Speichel- oder Blutprobe entnommen und die DNA analysiert, um zu prüfen, ob bei Ihnen Erbkrankheiten vorliegen, die mit Azoospermie verbunden sind.
  • Bildgebung des Genitaltrakts – Ultraschall-, MRT- oder CT-Untersuchungen können eingesetzt werden, um Blockaden oder das Fehlen des Samenleiters festzustellen.
  • Hodenbiopsie – in seltenen Fällen kann eine Hodenbiopsie eingesetzt werden, um zu prüfen, ob die Hoden in der Lage sind, Spermien zu produzieren.

Kann Azoospermie behandelt werden?

Eine erfolgreiche Behandlung der Azoospermie hängt von der Art der Azoospermie und den zugrunde liegenden Ursachen ab. Obstruktive Azoospermie lässt sich oft leichter behandeln als nicht-obstruktive Azoospermie, da sich Blockaden in der Regel einfacher beheben lassen als Probleme bei der Spermienproduktion. Fortschrittliche medizinische, hormonelle und chirurgische Behandlungen sowie assistierte Reproduktionstechnologien (ART) ermöglichen es jedoch vielen Männern mit Fruchtbarkeitsproblemen, Kinder zu bekommen. Das bedeutet, dass sogar schwere Fälle nicht-obstruktiver Azoospermie behandelt werden können.

Hormonelle und medikamentöse Behandlungen

Eine Hormontherapie wird eingesetzt, um hormonelle Ungleichgewichte zu behandeln, die Azoospermie verursachen können. Auffälligkeiten in der Hirnanhangsdrüse oder im Hypothalamus können die Hormonproduktion stören, was zu niedrigen Testosteronwerten und Problemen bei der Produktion von Samen führen kann. Eine Hormonersatztherapie ist in diesen Fällen eine häufige Behandlung. 

Chirurgische Behandlungsmöglichkeiten

Chirurgische Behandlungen werden bei obstruktiver Azoospermie eingesetzt, um Blockaden zu entfernen und die Kanäle zu öffnen, die für den Transport von Spermien verantwortlich sind. Welche chirurgische Behandlung angewendet wird, hängt davon ab, wo die Blockade liegt und warum sie entstanden ist. Häufige chirurgische Behandlungen bei Azoospermie sind:

  • Varikozelen-Operation – ein mikrochirurgischer Eingriff zur Behandlung vergrößerter Venen, bei dem diese abgebunden werden. Das kann den Hoden helfen, wieder eine normale Produktion von Samen aufzunehmen.
  • Vasektomie-Umkehr – ein mikrochirurgischer Eingriff, bei dem die Samenleiter wieder verbunden werden, sodass Samen wieder in die Samenflüssigkeit gelangen. 
  • Mikrochirurgie – es wird ein kleiner Schnitt im Hodensack vorgenommen und eventuelle Blockaden werden mithilfe von Vergrößerungstechnik und spezialisierten Instrumenten beseitigt. Dies wird typischerweise bei Blockaden im Nebenhoden und Samenleiter eingesetzt.
  • Endoskopische Chirurgie – ein dünnes, flexibles Instrument mit integrierter Kamera wird durch die Harnröhre geführt und verwendet, um die Blockade ohne Schnitt zu beseitigen. Dies wird typischerweise bei Blockaden der Ejakulationsgänge eingesetzt.

Spermiengewinnung und assistierte Reproduktion

Spermien können manchmal direkt aus den Hoden gewonnen und zusammen mit assistierten Reproduktionstechnologien verwendet werden, um eine Schwangerschaft zu ermöglichen. Das kann es Männern mit Azoospermie ermöglichen, mit ihren eigenen Spermien Kinder zu bekommen. Zu den wichtigsten Verfahren im Zusammenhang mit der Spermiengewinnung und ART gehören:

  • MicroTESE – die mikrochirurgische testikuläre Spermienextraktion ist ein Verfahren zur Gewinnung von Spermien aus den Hoden. Dabei wird ein Schnitt im Hodensack gemacht, der Hoden geöffnet und die Chirurgin oder der Chirurg entnimmt Kanälchen, die wahrscheinlich gesunde Spermien enthalten. Dies wird typischerweise zur Behandlung von Männern mit schwerer nicht-obstruktiver Azoospermie eingesetzt.
  • IVF – In-vitro-Fertilisation ist eine Kinderwunschbehandlung, bei der reife Eizellen aus den Eierstöcken der Partnerin entnommen und im Labor mit den Samen des Partners befruchtet werden. Der Embryo wird anschließend in die Gebärmutter zurückgegeben, damit er sich entwickeln kann.
  • ICSI – Die intrazytoplasmatische Spermieninjektion ist eine spezialisierte Form der IVF, bei der FruchtbarkeitsspezialistInnen ein einzelnes geeignetes Spermium aus dem Ejakulat des Mannes isolieren und es unter Laborbedingungen direkt in die Eizelle injizieren. Wenn sich ein Mann einer MicroTESE zur Gewinnung von Spermien unterzieht, wird ICSI als Behandlung eingesetzt, um die Eizelle zu befruchten.

Kann man bei einer Spermienzahl von Null schwanger werden?

Eine Schwangerschaft ist auch dann möglich, wenn ein Mann eine Spermienzahl von Null hat, denn eine Behandlung oder Spermiengewinnung kann in bestimmten Fällen eine Befruchtung ermöglichen. Das hängt von der Art der Erkrankung, den verfügbaren Behandlungsmöglichkeiten und davon ab, ob die Behandlung erfolgreich ist.

Männer, die versuchen, ein Kind zu bekommen, durchlaufen in der Regel den folgenden Behandlungsweg und gehen zum nächsten Schritt über, wenn die Behandlung nicht erfolgreich oder nicht umsetzbar ist:

  1. Chirurgische oder hormonelle Behandlung zur Verbesserung der Spermienzahl und Empfängnis durch Geschlechtsverkehr.
  2. MicroTESE-Spermiengewinnung und ICSI-Behandlung.
  3. Kinderwunschbehandlung mit Spendersamen.

Kinderwunschbehandlungen mit Spendersamen ermöglichen es Männern mit schweren Fruchtbarkeitsproblemen, Vater zu werden. Auch wenn Sie möglicherweise Fragen zur Nutzung eines Samenspenders haben, ist dies ein Weg, den viele Männer gegangen sind, und es gibt viel Unterstützung für Paare, die dies in Erwägung ziehen. Das Wichtigste ist die Erkenntnis: Ganz gleich, was passiert, Sie werden immer der Vater Ihres Kindes sein. Liebe, Unterstützung und Fürsorge der Eltern machen eine Familie aus, nicht die Biologie. 

Heute können Ihnen auch Tools zur Samenspendersuche dabei helfen, einen Samenspender zu finden, der Ihnen äußerlich ähnelt oder bestimmte Persönlichkeitsmerkmale teilt, und ausführliche Profile geben Ihnen einen tieferen Einblick in den Samenspender, für den Sie sich entscheiden.

Was tun, wenn keine Spermien im Ejakulat nachweisbar sind?

Die nächsten Schritte für alle, die eine niedrige Spermienzahl haben, bei denen keine Spermien nachweisbar sind oder die sich darüber Sorgen machen, sind:

Wenden Sie sich an medizinisches Fachpersonal, um Ihre Bedenken zu besprechen.

Lassen Sie eine offizielle Diagnose stellen, um die Ursache Ihrer Azoospermie zu erklären.

Besprechen Sie die Behandlungsmöglichkeiten mit Ihrem medizinischen Fachpersonal.

Nehmen Sie eine Behandlung in Anspruch oder ziehen Sie alternative Wege zur Elternschaft in Betracht.

Häufige Fragen zur Azoospermie

Was ist die beste Behandlung bei abgestorbenen Spermien?

Abgestorbene Spermien im Ejakulat (Nekrozoospermie) werden in der Regel mit MicroTESE-Spermiengewinnung und ICSI behandelt, da medizinisches Fachpersonal dadurch lebende Spermien aus den Hoden gewinnen kann. Nekrozoospermie unterscheidet sich von Azoospermie, und die beiden Erkrankungen sollten nicht verwechselt werden.

Warum sind keine Spermien in meinem Ejakulat?

Azoospermie kann durch eine Blockade entstehen, die den Transport von Spermien verhindert, oder durch eine Störung der Spermienproduktion in den Hoden.

Kann sich eine Azoospermie zurückbilden?

Viele Männer erholen sich von einer Samenanzahl von null, aber die Erholung hängt von der Art, dem Schweregrad und der Ursache Ihrer Azoospermie ab. Obstruktive Azoospermie lässt sich in der Regel am einfachsten behandeln, wobei es auch für Männer mit nicht-obstruktiver Azoospermie mehrere Behandlungsmöglichkeiten gibt. Wenn eine Behandlung nicht durchführbar ist, sind Kinderwunschbehandlungen mit Spendersamen eine Option.

Wie werden Spermien untersucht?

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