Das Leben als Elternteil

Drei Podcasts, die Ihnen helfen, Ihrem Spenderkind ein guter Elternteil zu sein

Als Eltern möchten wir unsere Kinder darin unterstützen, mit allen Aspekten des Lebens zurecht zu kommen – vom Binden der Schnürsenkel bis hin zum Trost bei einem gebrochenen Herzen. Wenn Sie Eltern eines Spenderkindes sind – oder über die Verwendung einer Samenspende nachdenken – werden Sie Ihrem Kind höchstwahrscheinlich auch dabei helfen wollen, seine besondere Abstammung zu verstehen. Wir haben hier für Sie die besten Podcasts zu diesem Thema zusammengestellt, damit Sie sich umfassend informieren können

March 25, 2022
4 Min. Lesedauer
Helle Tyllesen

You Look Like Me

Die englische Journalistin Louise McLoughlin, die ebenfalls als Spenderkind zu Welt kam, wirft einen Blick auf die Geheimnisse und Entdeckungen, die das Leben mancher Spenderkinder traurigerweise prägen. Dies gilt besonders für all jene, die in den 80er Jahren oder noch früher zur Welt kamen. Damals rieten Ärzte den Eltern, ihren Kindern möglichst zu verschweigen, dass sie spendergezeugt waren. In ihrem Podcast versucht Louise McLoughlin ihre Halbgeschwister zu finden, die vom selben Spender abstammen wie sie selbst.

Der in sechs Episoden unterteilte Podcast hat erstklassige Bewertungen erhalten. Hörer beschreiben den Podcast als „ehrlich, berührend und mit intensiven Denkanstößen“, „wichtig für Eltern von Spenderkindern“ und „eine komplexe Geschichte voll Herz und Mut“.

Was macht ihn hörenswert?

Der Podcast ist gut produziert und interessant, denn er eröffnet seinen Hörern einen Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelt der Erzählerin, die selbst ein Spenderkind ist und somit Erfahrungen aus erster Hand weitergeben kann – aus der Perspektive einer Erwachsenen. Neben ihren eigenen Erlebnissen berichtet Louise McLoughlin in ihrem Podcast auch von denen anderer Spenderkinder.

In „You Look Like Me“ geht es um Themen wie Identität und wie wichtig es ist die eigene Abstammung zu kennen. Außerdem benennt der Podcast die Risiken, die es mit sich bringt, wenn Spenderkinder erst sehr spät von ihrer Herkunft erfahren – beispielsweise durch die Nutzung einer DNA-Datenbank.

Das Hauptanliegen ist es, dass Eltern und zukünftige Eltern von Spenderkindern viel aus den Erlebnissen und Erfahrungen früherer Spenderkinder lernen können, um so ihr eigenes Kind bestmöglich zu unterstützen. Louise McLoughlin war ein Teenager, als ihre Eltern ihr von der Samenspende erzählten – um anschließend zwei Jahre lang nicht mehr mit ihr darüber zu sprechen. Das Schweigen ihrer Eltern hat sie so sehr belastet, dass sie sich am Ende gar nicht sicher war, ob das Gespräch wirklich stattgefunden hatte. Dabei ist es ausgesprochen wichtig, dass Sie als Elternteil das Thema immer wieder aufgreifen, damit sich Ihr Kind im Zuge seiner Entwicklung damit auseinandersetzen kann.

Der Podcast „You Look Like Me“ ist auf allen bekannten Podcast-Plattformen zu finden, wie etwa Spotify.

Three Makes Baby

Der Podcast wird von einer professionellen Therapeutin aufgenommen und beschäftigt sich mit allen Themen rund um Fruchtbarkeit, Familie und Gene. Jana Rupnow hat sich als Psychotherapeutin auf Fruchtbarkeit, Adoption und Zeugungen per Samenspende spezialisiert. Dieser Podcast ist, wenn man sich die Anzahl der Episoden anschaut, der längste auf unserer Liste. Insgesamt hat er 62 Episoden, in deren Welt man eintauchen kann. Interessant ist, dass Jana Rupnow nicht nur in ihrer Rolle als Therapeutin und Autorin spricht, sondern auch aus eigener Erfahrung weiß, was es bedeutet, in einer Familie zu leben, die biologisch nicht die eigene ist: Sie ist selbst ein Adoptivkind und ist heute ebenfalls Mutter eines adoptierten Kindes.

Was macht ihn hörenswert?

Der Podcast bietet viele wichtige Informationen, beispielsweise über die Psychologie von Kindern und ihren Bedürfnissen in den unterschiedlichen Stadien der Entwicklung. „Three Makes Baby“ konzentriert sich darauf, wie wichtig es ist, offen miteinander zu sprechen und geht unter anderem darauf ein, dass sich manche Eltern von Spenderkindern schämen, ihren Kindern die Wahrheit zu sagen. Dabei gilt ganz klar: Die Bedürfnisse des Kindes sollten immer Vorrang vor denen der Eltern haben.  

Der Podcast widmet sich mutig den schwierigen Themen: Wie soll man damit umgehen, wenn das Kind irgendwann wütend darüber ist, dass es durch eine Samenspende gezeugt wurde? Oder wenn ihm ein Vater in seinem Leben fehlt? Eine weitere wichtige Botschaft ist, dass die Eltern von Spenderkindern jegliche Scham oder Trauer, die sie in Bezug auf die Entscheidung für eine Samenspende fühlen, unbedingt verarbeiten müssen. Tun sie dies nicht, kann es geschehen, dass sie ihre Gefühle ungewollt an ihre Kinder weitergeben. Dieses Risiko besteht beispielsweise in Fällen, in denen die Eltern dem Kind die Wahrheit über seine Abstammung verschweigen, weil es ihnen unangenehm oder peinlich ist.

Der Podcast „Three Makes Baby“ kann auf allen bekannten Podcast-Plattformen abgerufen werden, wie etwa auf Spotify.

Half of Me

Ally ist die Frau hinter dem Podcast „Half of Me“. Ihren Podcast beschreibt sie folgendermaßen: „Am 4. Januar 2019 habe ich auf einer Website, auf der man seine DNA testen kann, herausgefunden, dass ich spendergezeugt bin. Mittlerweile weiß ich, dass ich mindestens 14 Halbgeschwister habe – und einen Samenspender, der genetisch gesehen eine Hälfte von mir ist.“

Der Podcast begleitet Ally auf ihrer Entdeckungsreise und in den 27 Episoden findet sie heraus, welche Rolle die biologische Beziehung in ihrem Leben spielt. Vor allem aber beleuchtet der Podcast die Frage: Was Familie ihr bedeutet.

Hörer beschreiben den Podcast als warmherzig und informativ. An vielen Punkten bringt Ally ihre eigenen Erfahrungen, Fragen und Erkenntnisse in die einzelnen Episoden ein und regt so dazu an, eingehender darüber nachzudenken, was es bedeutet, das Kind einer Samenspende zu sein – und einen Samenspender zu nutzen, um eine Familie zu gründen oder zu vergrößern.

Was macht ihn hörenswert?

Der Podcast berichtet von den Erfahrungen eines Spenderkindes, das sich auf die Suche nach seinen vom selben Spender abstammenden Halbgeschwistern macht – den „Dibs“, abgeleitet von „donor siblings“, der englischen Bezeichnung für diese besondere Art von Halbgeschwistern. In den Episoden sprechen Allys „Dibs“ über ihre Erfahrungen als Spenderkind und die Suche nach ihren Halbgeschwistern. Wie geht man mit den Beziehungen zu all diesen Halbgeschwistern um?
 
Eine wichtige Botschaft des Podcast ist die Erkenntnis, dass es DIE EINE Erfahrung als Spenderkind nicht gibt. Jedes Spenderkind hat seine eigene Geschichte und erlebt das Thema auf eine ganz persönliche und individuelle Weise.

Der Podcast „Half of Me“ ist auf allen Podcast-Plattformen verfügbar. Hier finden Sie ihn auf Spotify.

Achtung: Die in diesen Podcasts besprochenen Ansichten entsprechen nicht notwendigerweise den Ansichten der European Sperm Bank.